Vor der großen Lungen-OP

Gestern habe ich bei herrlichem Wetter die Hunderunde angetreten. Etwas später als sonst, denn zuvor stand das große Beautyprogramm auf der To Do Liste. Immerhin muss das jetzt erstmal für die nächsten zwei Wochen reichen. Der Hund hatte allerdings kein Verständnis dafür und seufzte gelegentlich frustriert vor sich hin bis ich endlich nach seiner Leine griff.

Die Sonne schien mir ins Gesicht, als ich mich auf meiner Lieblingsparkbank gegenüber der Grundschule niederlies. Ich genoss die Wärme und freute mich über das fröhliche Lärmen der Kinder, die gerade Schulschluss hatten. Aus der Ferne trug der leichte Wind das Mittagsgeläut der katholischen Kirche zu mir herüber. Der Hund suchte im raschelnden Laub hinter mir ein paar Leckerli, die ich ihm dort hingeworfen hatte. Es war friedvoll. Und dann störte mich plötzlich ein Gedanke auf: Was, wenn dies das letzte Mal wäre…

Was für ein mieser, verräterischer kleiner Gedanke! Der hinterhältige Spielverderber! Wie konnte er es wagen, meinen Frieden zu zerstören? Im Grunde bin ich doch so voller Vorfreude, denn schließlich ist die bevorstehende OP der erste Schritt zu meinem neuen krebsfreien Leben. Aber dieser Gedanke bleibt hartnäckig, er lässt sich nicht vertreiben und taucht immer wieder auf. Es nützt nichts, ich muss mich ihm stellen. Welche Botschaft möchte er mir übermitteln?

Ich habe darüber nachgedacht. Letztlich zeigt mir dieser Gedanke, wie wertvoll mein Leben ist, wie reich und erfüllt, aber eben auch wie endlich. Er fragt mich leise, ob ich das zu würdigen weiß und ob ich mir wirklich sicher bin, dass diese OP das Risiko wert ist. Er will außerdem wissen, ob ich ihm selbstbewusst gegenübertreten kann, wenn es um letzte Male geht. Und jetzt stehe ich hier mit verschränkten Armen und sage dem Gedanken „Das kann ich! Ich bereue nichts! Und wo wir gerade beim Thema sind: Was, wenn dies das letzte Mal wäre, dass sich Metastasen in meinem Körper befinden?“

Mittlerweile bin ich in der Lungenklinik auf der Station. Alle Untersuchungen und Vorgespäche sind abgeschlossen und waren ausgesprochen ermutigend. Ich hörte zum wiederholten Male, was für eine Koryphäe der hiesige Chirurg ist. Der Anästhesist behauptete, dass ich nach der OP keinen großen Unterschied bemerken würde, da die rechte Lungenhälfte sowieso schon fast die ganze Sauerstoffversorgung übernommen hat. Die Stationsärztin sah das ähnlich und riet mir, bereits 6 bis 8 Wochen nach dieser OP die Brust-OP in Angriff zu nehmen und das alles nicht auf die lange Bank zu schieben. Sie könnte einen Kontakt zu einem sehr renommierten und auf Brustkrebs spezialisierten Krankenhaus herstellen. Ich soll sie vor meiner Entlassung noch einmal darauf ansprechen. Auf ihre Frage, warum der Brusttumor überhaupt noch vorhanden sei, sagte ich ihr, dass die Ärzte bisher keinen Sinn in der Entfernung gesehen hatten. Sie antwortete erfrischend ehrlich: „Das ist ja reizend!“

Die OP ist für morgen früh um 8 Uhr geplant. Sie wird durchschnittlich 5 Stunden dauern, vielleicht auch länger. Danach verbringe ich zwei bis drei Nächte auf der Intensivstation. Essen darf ich heute bis Mitternacht – also her mit der Schokolade! Das WLAN ist hervorragend. Ich werde gleich gemütlich einen Film streamen und dabei meine mitgebrachten Süßigkeitenvorräte vernaschen. Mein persönliches Schlaraffenland befindet sich also heute hier!

Ich danke Euch für das treue Lesen meines blogs und die Weitergabe der Adresse! Insbesondere freue ich mich über die vielen lieben Kommentare, Grüße und Gedanken! Ich freue mich schon darauf bald weiter zu berichten. Gute Nacht, Ihr Lieben!

Veröffentlicht von bluemchenfee

Im Oktober 2011 erhielt ich die Diagnose metastasierter Darmkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war ich 38 Jahre alt und hatte zwei kleine Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren. 2016 kam die Diagnose metastasierter Brustkrebs hinzu. Ich lebe in einer Kleinstadt im Hamburger Umland, bin mittlerweile geschieden, aber glücklich neu vergeben und alleinerziehende Mutter von zwei Pubertieren. Mein Alltagschaos zwischen Patchwork und Krebserkrankung wurde vor knapp zwei Jahren durch einen Hundewelpen abgerundet. Meine vielfältigen Erfahrungen mit der Erkrankung, der Heilung und den Herausforderungen, aber auch den Schönheiten des Alltags möchte ich in diesem Blog mit Euch teilen und damit hoffentlich anderen Betroffenen und Interessierten Mut machen. Meine kreativen Produkte, die ich hier auch immer mal wieder erwähne, findet Ihr übrigens unter bluemchenfeedesign.etsy.com

10 Kommentare zu „Vor der großen Lungen-OP

  1. Auch auf diesem Wege nochmal: Alles erdenklich Liebe, viel Kraft und positive Energie 😘🍀☀️
    Ich denk’ an dich und werde dir ab 8.00 Uhr früh, die Daumen so fest drücken, bis meine Fingerknöchel weiß sind! Ich denke an dich und bin in Gedanken bei dir!😘
    Also, her mit der neuen Chance – schnapp sie dir, du hast es mehr als verdient! 😘

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  2. Nochmals alles, alles Liebe und Gute auf dem Weg zum Regenbogen. Schlaf gut und toi toi toi.
    Wir denken an Dich und sind sicher, Du schaffst das alles

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  3. Liebe Anne, auch auf diesem Wege nochmal alles alles Liebe und Gute❣️ Wir denken grad ganz doll an Dich und sind gespannt, wie viel Du dann doch noch von Deinem Schoki-Vorrat geschafft hast😉 Bis ganz bald 😘

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  4. Liebe Anne, jetzt liegst du sicher bereits mit Maske auf blauem oder grünem Tuche. Mit Maske, das hab ich gerade vor Augen, weil ich so ein Viech jede Nacht tragen muss. Du nur heute, und du merkst den Störenfried noch nicht einmal 👍. Wenn man aufmerksam hinschaut, gibt es doch immer wieder kleine, versteckte positive Ereignisse….😉
    Heute kann ich nicht viel erledigen, da Daumendrücken angesagt ist. Beidseitig! Außerdem quillt mein Gehirn 🤯über vor positiven Gedanken. Den Auftrag zur Connection zu Dir habe ich diesem herzallerliebsten kleinen Känguru 🦘gegeben, das bereit war, trotz deutlicher Mehrbelastung eine extra Portion guter Gedanken auch noch in seinem Beutelchen zu transportieren. Doppelt wirkt auch doppelt! Jippi 💃🏼!!!
    Nun warte ich gespannt auf Deinen neuen Bericht, der ja nur gut ausfallen kann bei dieser Heerschar an Dich
    bewundernden und auch liebenden Followern ❤️!
    👍🎈👍🎈👍🎈👍🎈👍
    Liebste Aufwach-Grüße von Geli & Jan
    👵🏻. 🤓

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  5. Sonntag: Unsere Daumen sind platt gepresst und ohne Gefühl. Ganz im Gegenteil zu ihrer Mission…. ❤️🎈
    Werden jetzt mal in eine andere, bekömmlichere Position geschickt: 👍✌️🤙
    Liebe Grüße von 👵🏻 &. 🤓

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  6. Liebe Anne, so ein schöner Text! Ich freue mich riesig, dass Du die OP so toll überstanden hast. Am Donnerstag komme ich Dich besuchen. Alles liebe und kämpf weiter! Dein Wolf*

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  7. Liebe Anne, ich spreche regelmäßig mit Deinem Papa über Dich und bin über den Verlauf der letzten OP bestens informiert und sehr glücklich. Auch im Namen von Uschi wünsche ich Dir weiterhin gute Besserung und werde Dir auch für den 14. April die Daumen drücken !!!
    Gruß aus dem Wintergarten – Horst

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