Die Zweitmeinung der Lungenklinik

Heute war ich mit vier Grundschulfreundinnen in einem Café verabredet. Heiße Schokolade und herrlich leckerer Kuchen. Natürlich war mein Gesundheitszustand auch kurz Thema und ich habe alle auf den neusten Stand gebracht.

Meine erste Chemo mit dem neuen Antikörper hatte ich nun Anfang Dezember hinter mich gebracht. Wirklich glücklich und überzeugt war ich von der Entscheidung der Uniklinik jedoch nicht. Meine Onkologin empfahl mir eine Zweitmeinung einzuholen, wenn ich ob der zukünftigen Behandlung noch unsicher bin. Obwohl Zweitmeinungen ja so eine Sache sind – denn im schlimmsten Fall sind sie unterschiedlich und man muss die Entscheidung selber treffen – habe ich mich um einen Gesprächstermin in einer Lungenfachklinik bemüht. Dort wurde mir eine sehr gute Erstberatung geboten, nach der ich zum ersten Mal verstanden habe, wo eigentlich das Problem liegt. Die vier kleinen sichtbaren Metastasen am Lungenrand sind es nämlich nicht, die könnten sogar entfernt werden. Schlimmer ist jedoch das, was im radiologischen Bericht nicht als Metastase deklariert, aber schwammig als Gewebeveränderung umschrieben wurde. Diese Veränderung sitzt nämlich im Bereich der Lungenwurzel und reicht an das Bronchialsystem heran. Dort kann schwer operiert werden, was bedeutet nur mit sehr viel Gewebeverlust und auch Bestrahlung und Lasereingriffe sind aufgrund sehr wichtiger Gefäße rings herum und nicht zuletzt dem Herzen, welches da  auch noch rumlungert nicht durchführbar. Trotzdem wollte die Lungenklinik eine OP-Möglichk abklären. Dazu waren jedoch zunächst weitere Untersuchungen nötig. Es wurden eine Blutuntersuchung, ein neues CT und ein Lungenfunktionstest durchgeführt. Aufgrund des neuen CTs wurde die schwammig formulierte Gewebeveränderung von den Radiologen der Lungenfachklinik tatsächlich als Metastasen eingestuft. Bevor aber nun eine endgültige Entscheidung zum Thema OP getroffen werden kann, mussten einige Unklarheiten abgeklärt werden. Daher hatte man mir kurzfristig einen Termin für ein PET- CT in einem anderen Krankenhaus besorgt. Das ist eine spezielle Methode, um ein Metastasenverdacht zu bestätigen und auch um neue Metastasen aufzuspüren. Dazu wurde mir eine schwach radioaktive Substanz gespritzt, die sich dann im Körper genau in den Zellen anreichert, die einen erhöhten Stoffwechsel betreiben. Das trifft vor allen Dingen auf Krebszellen zu. Mit dem CT Gerät wurde anschließend mein gesamter Körper abgescannt und die radioaktive Strahlung gemessen- das dauerte ca. 25 Minuten. Auf den CT Bildern erscheinen krebsverdächtige Stellen im Körper dann in rot. Dadurch kann man nun genau sehen, ob z.B. auf „normalen“ CTs aufgefallene verdächtige Stellen nun auch wirklich Metastasen oder vielleicht nur eine narbige Veränderung sind. Das Ergebnis dieser Untersuchung habe ich noch nicht, da sie kurz vor Weihnachten gemacht wurde. Ich hoffe, dass ich nächste Woche mehr darüber erfahre. Ich bin schon sehr gespannt! Am 7. Januar steht wieder die Chemo mit dem Antikörper Panitumomab an, wenn es mir bis dahin wieder gut geht. Eine Woche Gnadenfrist habe ich also noch. Leider kündigt sich gerade eine Erkältung an. Das ist so gemein! Gerade jetzt, wo es mir wieder besser geht. Mein Freund meinte gerade am Telefon, dass seine Oma darauf geschworen hat bei einer Erkältung im Anmarsch Birnen zu essen und es bei ihm funktionieren würde. Naja, ich mag Birnen und schaden kann es jedenfalls nicht. Wenn es klappt, werde ich darüber berichten.

Nachdem wir das Thema Krebs abgehakt hatten (es gibt nämlich noch so viel mehr im Leben!), redeten wir in unserer fröhlichen Kaffeeklatschrunde noch über viele andere Themen, ein kürzlich stattgefundenes Klassentreffen, den Schulstress unserer Kids vor Weihnachten, Haustiere die Anrufe tätigen, elektronische Wunder unserer Zeit, Veränderungen im Job, seltsame Nachbarn, Konzerte in der Elphi und im Allgemeinen und so weiter. Die Zeit verflog, es war 18 Uhr und das Café wollte schließen. Drei meiner Freundinnen nahm ich einen Teil ihrer Strecke im Auto mit, denn ich wollte noch kurz ein wenig in einem Einkaufszentrum shoppen gehen. Ich wollte mir schon längst mal einen wirklich gut passenden und bequemen BH kaufen. Alle bisherigen saßen spätestens nach der ersten Wäsche komisch und waren entweder nutzlos oder unbequem. Vor lauter Frust hatte ich die letzten Monate oft gar keinen BH mehr getragen. Aufgrund der Schwerkraft ist das aber leider auch keine Dauerlösung. Ich steuerte also zielsicher ein Fachgeschäft für Dessous an. Dort fragte mich die junge Verkäuferin nach meiner bisherigen Größe. Ich murmelte so ungefähr 90 D und sie zückte darauf ihr Maßband und zip zap hatte sie alles ausgemessen, was sie wissen musste. Sie verkündete daraufhin fröhlich ich hätte 80 G. Zuerst dachte ich, ich habe mich verhört. Mir war gar nicht bewusst, dass es diesen Buchstaben bei BHs überhaupt gibt. Von E habe ich schon mal gehört, eventuell auch von F, aber G?! Welche Größe hätte denn wohl Dolly Buster – W? Naja, etwas skeptisch nahm ich den mir dargereichten BH entgegen und probierte ihn an. Tatsache! Er passte perfekt. Etwas ungewohnt eng vielleicht, aber die Verkäuferin meinte, das gehöre so und er würde sich noch etwas dehnen. Wenn er lockerer wäre, würde er vorne nicht mehr sitzen. Sie wollte partout keinen 85er rausrücken und meinte, dass es eine Schande sei, dass die Kunden oft so falsch beraten wurden. Das fand ich allerdings auch, dachte an die Unsummen, die ich schon für BHs in falschen Größen ausgegeben hatte und kaufte drei BHS in 80 G (es war gerade Sale: Kaufe 3, zahle 2). Um den Shoppingwahnsinn perfekt zu machen, erstand ich noch zwei Pullover und eine Bluse – natürlich auch im Sale. Ich liebe Sale! Nun ist mein Bedarf an Kleidung erstmal gedeckt – für dieses Jahr 😉😁

Jetzt nehme ich ein Erkältungsbad, futtere die Birnen und mummel mich mit einem guten Buch in meinem Bett ein. Ich lese gerade „Das Café am Rande der Welt“, welches ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe und finde es super!

Gute Nacht, Ihr Lieben!

Veröffentlicht von bluemchenfee

Im Oktober 2011 erhielt ich die Diagnose metastasierter Darmkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war ich 38 Jahre alt und hatte zwei kleine Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren. 2016 kam die Diagnose metastasierter Brustkrebs hinzu. Ich lebe in einer Kleinstadt im Hamburger Umland, bin mittlerweile geschieden, aber glücklich neu vergeben und alleinerziehende Mutter von zwei Pubertieren. Mein Alltagschaos zwischen Patchwork und Krebserkrankung wurde vor knapp zwei Jahren durch einen Hundewelpen abgerundet. Meine vielfältigen Erfahrungen mit der Erkrankung, der Heilung und den Herausforderungen, aber auch den Schönheiten des Alltags möchte ich in diesem Blog mit Euch teilen und damit hoffentlich anderen Betroffenen und Interessierten Mut machen. Meine kreativen Produkte, die ich hier auch immer mal wieder erwähne, findet Ihr übrigens unter bluemchenfeedesign.etsy.com

Ein Kommentar zu “Die Zweitmeinung der Lungenklinik

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