Kofferpacken für Fortgeschrittene

Aloha! Der Juli ist fast vorbei – Blogtime! Die letzte Woche der Schulferien ist um, nach dem Wochenende geht es hier in Schleswig-Holstein wieder los. Meine Tochter ist schon ganz aufgeregt, weil sie eine neue Klassenzusammensetzung und komplett neue Lehrer haben wird. Sie kommt jetzt schon in die 8. Klasse – wo ist bloß die Zeit geblieben?

Die letzte Woche haben wir Urlaub in Dänemark gemacht, wie jedes Jahr. Eine Woche im Ferienhaus an der Nordsee mit allen vier Kindern und Hund. Ich finde es jedes Mal super schön und natürlich viel zu kurz. Doch so ein Dänemarkhaus in der Hochsaison – noch dazu mit Innenpool, denn das ist unser kleiner Luxus – ist derartig unverschämt teuer, dass zwei Wochen einfach nicht drin sind. Wir haben jetzt bereits für das nächste Jahr gebucht und als ich unsere Suchkriterien und das Preislimit auf der Internetplattform eingegeben hatte, wurden mir gerade mal 5 Häuser angezeigt. Was soll ich Euch sagen? Für das achtfache des Betrages, den ich wöchentlich für mein Haus bezahle, boten mir diese fünf Luxusschlösser das einmalige Erlebnis einer Zeitreise in die 80er Jahre. Zuerst dacht ich, ich habe in den Filter-Optionen irgendwas falsch eingegeben. Vielleicht hatte ich versehentlich das Häkchen bei „Plüschsofa“ oder „schimmelige Badezimmerfliesen“ gesetzt. Spaßeshalber habe ich den Filter mit dem Maximalpreis dann einfach rausgenommen und siehe da – es gibt sie, die Traumhäuser und wie schön die sind! Da würde ich sofort für immer einziehen. Sie haben nur einen kleinen Nachteil: Man bekommt sie erst ab 5.000 Euro – die Woche! Ich habe natürlich gleich geguckt, ob bei dem Preis auch das Personal inbegriffen ist. Vielleicht mit Köchin, Butler und Haushälterin. Doch leider nein, es gibt noch nicht einmal die Option, sie dazu zu buchen! Das ist enttäuschend. Ich kann die Luxushütte schließlich gar nicht ausreichend genießen, wenn ich mich noch um Einkaufen, Kochen, Aufräumen, Putzen und Wäschewaschen kümmern muss. Allerdings ist wahrscheinlich selbst das in so einem Haus ein Erlebnis. Eines Tages können wir es uns vielleicht leisten – bis dahin muss ich aber noch eine Menge nähen… Zurück in der realen Welt, haben wir also wohl oder übel den Maximalpreis um ein paar hundert Euro erhöht und siehe da, es fanden sich Häuser, in denen man auch Urlaub machen möchte. Wir haben anhand der Bilder gemeinsam eins ausgewählt und gebucht – wie gut es wirklich ist, wissen wir dann nächstes Jahr.

Auf der Fahrt nach Dänemark und zurück haben wir übrigens ein sehr lustiges Hörbuch gehört. Ich habe zuvor von drei Seiten eine Empfehlung für dieses Buch bekommen. Es heißt Miss Merkel von David Safier, der auch Mieses Karma geschrieben hat, welches Ihr unbedingt lesen müsst, falls ihr es noch nicht kennt. Im Buch Miss Merkel geht es um die frisch pensionierte Bundeskanzlerin, die in einer Kleinstadt in der Uckermark zusammen mit ihrem Mann, ihrem Bodyguard und ihrem Mops Putin einen Mord aufklärt. Wir haben brüllend gelacht! Ich kann das Buch insbesondere als Hörbuch empfehlen, denn die Sprecherin imitiert die Stimme von Angela Merkel in Perfektion.

Wir sind über Fehmarn zurückgefahren, wo wir meinen Sohn abgesetzt haben, der dort mit drei Freunden einige weitere Tage Urlaub machen wollte. In Dänemark ist er 16 Jahre alt geworden und es war das erste Mal, dass er ohne erwachsene Aufsichtsperson im Urlaub war. Den Eltern von einem seiner Freunde gehört das Ferienhaus, in dem sie gewohnt haben. Ich weiß nicht, wie Eure Jungs so sind, aber bei meinem Sohn steht die Informationspolitik unter dem Motto: Je weniger, desto besser. Ich ging auf jeden Fall davon aus, dass die vier Jungs allein im Ferienhaus sein würden und habe mir ehrlich gesagt doch ein wenig Gedanken gemacht, ob das alles klappen würde. Auf praktische Fragen wie: Könnt Ihr Euch da ohne Auto verpflegen und wie kommt ihr zum Bahnhof, wurde nur knapp geantwortet. War alles unwichtig. Als wir bereits auf Fehmarn waren, fiel mir noch etwas ein: Handtücher und Bettwäsche! Ich fragte ihn danach, aber natürlich war dieser Punkt bei den Jungs im Vorwege kein Thema gewesen. Ohne Bettwäsche könnte man zur Not noch auskommen, aber ohne Handtuch? Ich konnte mir auch nicht ernsthaft vorstellen, dass einer seiner Freunde in weiser Voraussicht zwei Handtücher eingepackt hatte. Wir leihen uns die Wäsche in Dänemark immer, daher hatten auch wir nichts dabei. Die Badelaken waren bei meinem Freund im Auto und der war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon zu Hause. Auf dem einzigen verfügbaren Handtuch in unserem Auto saß der Hund… Ich habe wirklich kurz gezuckt, aber das Teil konnte ich auch einem 16-jährigen Handtuchignoranten nicht antun. Also mussten wir irgendwo eins kaufen. In einem Bekleidungsgeschäft fragten wir nach Läden, die so etwas eventuell führen würden. Uns wurde das Dänische Bettenlager genannt. Prima, dachte ich – die haben vernünftige Handtücher zu vernünftigen Preisen. Als wir dort ankamen, war es 16.05 Uhr. Das Geschäft hatte seit 16.00 Uhr zu, es war Samstag. Frustriert schaute ich mich um und entdeckte auf der anderen Straßenseite einen Surfshop. Na, die würden doch wohl wenigstens ein Badelaken führen. Taten sie auch – zu einem horrenden Preis. Es war irgend so ein ökozertifiziertes Etwas mit Ananasprint. Zu dem Preis konnte es wahrscheinlich wahlweise auch als Surfsegel genutzt werden. Aber es blieb nur die Wahl zwischen der Ananas und dem Hundehandtuch. Die Ananas gewann. Als wir am Ferienhaus ankamen, waren die Freunde meines Sohnes noch nicht da. Allerdings waren einige Fenster auf Kipp, was mich doch wunderte. Mein Sohn meinte dazu nur: Die Großeltern wohnen doch hier irgendwo. Ach! Diese Information war mir total neu. Es stellte sich heraus, dass die Großeltern nicht „hier irgendwo“ sondern direkt nebenan wohnten, denn es handelte sich um ein Doppelhaus. Die hätten bestimmt auch ein Handtuch gehabt – Ommmm. Schwamm drüber, die frisch gewonnene Urlaubsruhe wollte ich nicht durch einen Wutausbruch gefährden. Als mein Sohn gestern nach Hause kam, fragte ich ihn, ob er denn sein Handtuch benötigt hätte. Er erklärte mir, dass er es universell eingesetzt hatte, für den Strand, zum Draufliegen sowie zum Abtrocknen nach dem Baden im Meer, dem Duschen und dem Zähneputzen. Vielleicht wäre das Hundehandtuch doch eine Alternative gewesen.

Gesundheitlich ist alles unverändert. Ich habe Anfang der Woche wieder meinen Antikörper bekommen und fühlte mich zwei Tage nicht so toll, aber das ist ja nichts, im Vergleich zu den Chemos. Die Blutwerte sind gut und die Leberwerte wandern langsam aber sicher in die Normalzone zurück. Sogar die Tumormarker sind gesunken. Das lässt hoffen. Das nächste CT wird Ende August sein, vielleicht dann einfach mal ohne böse Überraschungen.

Mittlerweile steht fest, dass mein Sohn am 14. August in sein USA-Jahr startet. Genau genommen sind es nur 9,5 Monate, was mich ein wenig tröstet. Am 2. Juni 2022 ist er dann wieder zu Hause. Diese Woche herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm, aber nächste Woche geht es mit Terminen rund. Zahnarzt, Kieferorthopäde – die feste Klammer muss noch schnell raus, Tuberkulosescreening, Visumgespräch in der Berliner Botschaft… Ich habe mich jetzt für die Übernachtungsvariante entschieden. Wir fahren am Donnerstag nach Berlin und übernachten ein paar hundert Meter von der Botschaft entfernt in einem kleinen Hotel. So kommt mein Sohn dann am Freitag entspannt zu seinem Termin. Und die Mama sitzt derweilen entspannt im Café.

Einige Tage vor Abflug wollen wir dann noch eine kleine Abschiedsfeier veranstalten. Der Flug selber geht von Frankfurt direkt nach Dallas. Ich bin froh darüber, dass es keine Zwischenstopps gibt. Der Flug dauert mit 11 Stunden auch so schon lange genug. Allerdings gibt es keinen Zubringerflug von Hamburg nach Frankfurt bzw. den gibt es zwar theoretisch, aber es gibt auf dem Flug keine freien Plätze mehr in dieser Buchungsklasse. Das bedeutet, dass ich meinen Sohn am Vorabend nach Frankfurt fahren werde. Wir werden in einem Hotel am Flughafen übernachten und ich fahre wieder zurück, nachdem er am Morgen eingecheckt hat. Dementsprechend bin ich in den nächsten 14 Tagen also fröhlich in der Republik unterwegs. Die Zeit danach wird sicherlich komisch. Meine Tochter und ich hatten jetzt ja schon ein paar Tage ohne meinen Sohn. Das war aber nicht vergleichbar. Fehmarn ist nur eine gute Stunde entfernt und Dallas… nun ja. Ich habe meinem Sohn vorgeschlagen, dass er sich alle 14 Tage per mail bei mir melden könnte und mir von seinen Erlebnissen berichtet. Das wäre für ihn am Ende auch ein schönes Tagebuch für sein Austauschjahr. Aber wahrscheinlich höre ich erstmal gar nichts – getreu seinem Motto. Allerdings sind in dem Fall keine Nachrichten wohl gute Nachrichten.

Mir graut aber vorm Kofferpacken. Ich frage meinen Sohn mittlerweile täglich, ob er bereits die von der Organisation versprochene Liste bekommen hat und ermahne ihn, sich nun endlich um die Dinge zu kümmern – z.B. neue Schuhe – die er noch mitnehmen möchte. Irgendwie tut er so, als hätte er alle Zeit der Welt. Ich sehe mich schon übernächste Woche in Panik die Geschäfte abklappern, nach irgendwelchem Kram, der noch fehlt, weil ihm das gerade erst eingefallen ist. Vielleicht sollte es mal ein Youtube-Video zum Thema geben… Gibt es! Ich habe gerade mal nachgeguckt. Es gibt tatsächlich Videos zum Thema „Kofferpacken für ein Jahr USA“! Ich werde meinen Sohn gleich morgen dazu nötigen, es anzuschauen oder besser noch meine Tochter. Die liebt alle Arten von Videos und Reels. Sie kann dann als persönliche Kofferpackassistentin fungieren und ich bin raus – guter Plan!

In meinem etsy-Shop ist nach wie vor Sommerflaute – zumindest hoffe ich, dass es sich um eine solche handelt. Ich habe angefangen, Weihnachtsdeko zu nähen und schon die ersten Prototypen fertig. Irgendwie komisch – so mitten im Juli bei schönstem Sonnenschein. Doch für den Verkauf von Weihnachtsdeko gibt es nur ein Zeitfenster von etwa 8 Wochen. Daher müssen die Produkte spätestens Anfang Oktober fertig genäht, fotografiert und im Shop eingestellt sein. Bis dahin sind es wiederum nur noch acht Wochen. Ich habe eine Menge geplant und bin zur Zeit sowieso wie im Rausch. Zusätzlich will ich natürlich auch Produkte im Shop anbieten, die man gut zu Weihnachten verschenken kann und die auch über Weihnachten hinaus im Shop verbleiben können. Wenn ich mich also nicht gerade um verpeilte Teenager kümmere, sitze ich im Nähzimmer oder im Arbeitszimmer und befasse mich mit der Shop-Gestaltung und dem Thema Social Media. Das greife ich auch nochmal in einem Blogbeitrag auf, denn da gibt es lustige Dinge zu erzählen, aber heute würde es den Rahmen sprengen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute Nacht – für mich geht es auf jeden Fall gleich ins Bett. Bleibt gesund – wir lesen uns im August!

Veröffentlicht von bluemchenfee

Im Oktober 2011 erhielt ich die Diagnose metastasierter Darmkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war ich 38 Jahre alt und hatte zwei kleine Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren. 2016 kam die Diagnose metastasierter Brustkrebs hinzu. Ich lebe in einer Kleinstadt im Hamburger Umland, bin mittlerweile geschieden, aber glücklich neu vergeben und alleinerziehende Mutter von zwei Teenagern. Mein Alltagschaos zwischen Patchwork, Hundeerziehung und Krebserkrankung wird seit einem guten Jahr durch mein kleines Unternehmen Blümchenfeedesign abgerundet. Eigentlich aus der Not heraus entstanden, habe ich mir damit den Traum einer Selbständigkeit im kreativen Bereich erfüllt. Meine Produkte findet Ihr unter bluemchenfeedesign.etsy.com oder auf Instagram unter bluemchenfeedesign. In diesem Blog schreibe ich über meine vielfältigen Erfahrungen mit der Erkrankung, der Heilung und den Herausforderungen, aber auch über die lustigen und schönen Seiten des Alltags und die Chancen, die sich selbst in so einer Situation bieten. Damit möchte ich anderen Betroffenen, Angehörigen und Interessierten Mut machen. Es gibt immer einen Weg und am Ende wird alles gut!

Ein Kommentar zu “Kofferpacken für Fortgeschrittene

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