Eine schwierige Entscheidung oder vielleicht doch leichter, als gedacht?

Die Lungenklinik rief Donnerstagnachmittag an. Nachdem nun alle Untersuchungen und das PET-CT ausgewertet und besprochen worden sind, sind die Experten der Klinik der Meinung, dass die Lunge operiert werden kann. Es müsste dann allerdings der komplette Lungenflügel entfernt werden und die Entscheidung für eine OP müsste auch zügig erfolgen, da sonst die Metastase an der Lungenwurzel weiterwachsen könnte und eine OP unmöglich machen würde. Daher wäre es auch keine Option zunächst über eine Chemotherapie zu versuchen die Metastasen in Schach zu halten, um den Lungenflügel so lange wie möglich zu erhalten. Wenn dieses Unterfangen nämlich scheitert, könnte möglicherweise nicht mehr operiert werden. Bevor eine OP stattfinden kann, müssen aber noch einige Untersuchungen erfolgen. Ein Lungenperfusionsszintigramm soll z.B. aufzeigen, ob die rechte Lungenhälfte ausreichend in der Lage ist die Funktion der linken Lungenhälfte zu übernehmen. Eine Bronchioskopie soll die letzte Sicherheit bringen, dass die Metastase wirklich nicht bereits das Bronchialsystem erfasst hat und so weiter. Die positiven Ergebnisse dieser Untersuchungen sind Voraussetzung für eine OP.

Ich erfragte in dem Telefonat auch das Ergebnis des Lungenfunktionstests und des PET-CTs. Der Lungenfunktionstest war in Ordnung. Allerdings wurde deutlich, dass bereits ein Teil der Lunge entfernt worden ist. Das PET-CT hat wirklich interessante Ergebnisse erbracht. Die erste Überraschung: Es gibt keine Anzeichen auf Knochenmetastasen! Ich habe es immer geahnt, die Ärzte haben mir aber nicht geglaubt. Auffällig waren im PET-CT nur die linke Lungenhälfte mit den bereits diagnostizierten Metastasen und die linke Brust mit einem Tumor von ungefähr 1 cm Größe. Es war klar, dass in der linken Brust Krebsaktivitäten sind. Der Primärtumor wurde schließlich nie operiert. Stattdessen bekomme ich seit 2016 regelmäßig den Antikörper Trastuzumab gegen den Brustkrebs. Dass der Tumor aber nur noch so klein ist, hat mich erstaunt. Das war die zweite Überraschung und bedeutet für mich, dass eine OP dieses verbliebenen Tumors in Zukunft sicherlich auch kein Problem darstellen sollte.

Wir sprachen außerdem über die Risiken einer Lunge-OP und die Dauer der Genesung. Grundsätzlich hört sich die OP schlimmer an, als sie technisch wohl ist. Daher ist der Krankenhausaufenthalt auch mit ca. 2 Wochen im Rahmen dessen, was ich bereits bei meiner ersten Lungen-OP erlebt habe. Die Genesungszeit danach ist aber viel länger. Bis der Körper sich vollständig daran gewöhnt hat, dass es nur noch einen Lungenflügel gibt, kann ein halbes Jahr vergehen. Die Risiken liegen in den Komplikationen, die auftreten können, aber nicht müssen. Wenn Komplikationen auftreten, wie z.B. eine Infektion der Lunge, kann das schnell lebensbedrohlich werden.

Nach dem Telefonat war ich total aufgeregt, wie ein aufgescheuchtes Huhn bin ich im Haus rumgerannt und habe versucht Freunde und Familie ans Telefon zu bekommen, um mit ihnen die Sache zu besprechen. Mir war klar, dass die Entscheidung eine enorm große Tragweite hat. Im besten Fall könnte sie mich schneller als gedacht an mein Ziel katapultieren krebsfrei zu sein. Im schlimmsten Fall könnte ich an den Folgen der OP sterben. Was für eine Wahl! Man könnte meinen, dass es besser wäre auf Nummer Sicher zu gehen und auf so eine riskante OP zu verzichten. ABER! Wir dürfen nicht vergessen, dass die einzige Alternative dann in einer Chemotherapie liegt. Und zwar ohne den Primärtumor zu den Metastasen zu kennen. Das heißt die Alternative liegt im Versuch einer oder mehrerer Chemotherapien in der Hoffnung, dass irgendwas hilft. Tja, und man darf auch nicht vergessen, dass die meisten Krebspatienten heutzutage nicht mehr an ihrem Krebs sondern an den Folgen ihrer langfristigen Krebsbehandlung sterben. Immerhin wird der Körper so langsam aber sicher vergiftet. So sehr sich die Onkologie auch bemüht Lebensqualität und negative Folgen von Chemotherapie auszugleichen, so gelingt es irgendwann nicht mehr. Im Klartext: Wenn ich auf eine OP verzichte, erledigt mich vielleicht langfristig entweder der Krebs oder die Chemotherapie.

Also ist die Wahl im Grunde doch einfacher, als gedacht. Die OP ist meine große Chance alles zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin relativ jung, meine körperliche Verfassung ist gut und ich hatte noch nie Probleme mit Lungenentzündungen und dergleichen. Irgendwie sagt mir mein Bauch, dass ich das schaffen werde. Es wird eine harte Zeit sein, sicherlich auch viel Training erfordern, aber ich bin mit Freuden dazu bereit. Nun hoffe ich nur, dass die Untersuchungen im Vorwege der OP positiv ausfallen, so dass tatsächlich operiert werden kann.

Morgen muss ich das Ganze noch mit meiner Onkologin besprechen. Sie war die letzten Wochen im Urlaub. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie mir von einer OP abrät. Möglicherweise wird sie mir aber noch einmal eine Risikoeinschätzung aus ihrer Sicht geben. Diesmal werde ich meinen Freund mit ins Gespräch nehmen. Die meisten Arztgespräche in den letzten 8 Jahren habe ich allein geführt. Einmal war mein Ex-Mann dabei und ein- oder zweimal mein Vater. Grundsätzlich bin ich stark genug diese Gespräche allein zu führen. Aber das Gespräch morgen ist doch etwas Besonderes und vier Ohren hören mehr als zwei.

Dem Professor der Lungenklinik habe ich gesagt, dass ich mich Mittwoch – also übermorgen – entscheiden werde. Dann können wir die weiteren Untersuchungen terminlich festlegen. Mittwoch habe ich zufälligerweise auch den nächsten Termin mit meiner Psycho-Onkologin. Das passt prima – dann habe ich alle Arztmeinungen beisammen.

Ich bin immer noch aufgeregt. Eigentlich wollte ich auch schon viel früher diesen Beitrag schreiben, aber irgendwie war ich dazu noch nicht in der Lage. Das Wochenende habe ich zur Ablenkung komplett bei meinem Freund verbracht und wir haben uns zur Abwechslung seinen Finanzen, seiner Buchführung und seinen Investitionsplänen für das neue Jahr gewidmet. Ein ganz anderes Thema, welches mir mit meinem bankbetriebswirtschaftlichen Hintergrund aber grundsätzlich Spaß macht.

Auch mein Online Erfolgskurs schreitet voran. Allerdings muss ich zugeben, dass es mir in den letzten Tagen schwer fiel, diszipliniert am Ball zu bleiben. Die Gedanken in meinem Kopf wirbeln durcheinander und lenken mich leicht ab. Aber ich will es natürlich weiterhin wirklich wirklich schaffen und mein Ziel steht felsenfest. Ich arbeite jetzt daran, mir einprägsame Bilder für mein Ziel zu erschaffen und ich muss mich in einer ruhigen Minute auch noch einmal hinsetzen, um das Ziel in kleinere Etappenziele aufzuteilen.

Seit heute geht es um das Thema Frequenzen und das ist wirklich interessant. Heute war die Aufgabe mich mit der Frequenz der Wertschätzung auseinanderzusetzen. Da gibt es eine Menge Dinge. Ich habe das in der Vergangenheit auch immer mal gemacht, in dem ich mir z.B. vor dem Einschlafen all die Dinge aufgezählt habe, für die ich an diesem Tag dankbar war und da gab es immer eine Menge.

Es gibt eine Sache, die ich derzeit wirklich sehr wertschätze. Die Meisten von Euch, denen ich den Link zu meinem Blog geschickt habe, lesen diesen fleißig und kommentieren ihn zum Teil auch. Ich bin tief berührt und geehrt, dass Ihr mir Eure Zeit schenkt und dafür danke ich Euch sehr! Es macht mir Mut zu wissen, dass Ihr alle an mich denkt und an mich glaubt. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine wunderschöne und erholsame Nacht.

Veröffentlicht von bluemchenfee

Im Oktober 2011 erhielt ich die Diagnose metastasierter Darmkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war ich 38 Jahre alt und hatte zwei kleine Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren. 2016 kam die Diagnose metastasierter Brustkrebs hinzu. Ich lebe in einer Kleinstadt im Hamburger Umland, bin mittlerweile geschieden, aber glücklich neu vergeben und alleinerziehende Mutter von zwei Pubertieren. Mein Alltagschaos zwischen Patchwork und Krebserkrankung wurde vor knapp zwei Jahren durch einen Hundewelpen abgerundet. Meine vielfältigen Erfahrungen mit der Erkrankung, der Heilung und den Herausforderungen, aber auch den Schönheiten des Alltags möchte ich in diesem Blog mit Euch teilen und damit hoffentlich anderen Betroffenen und Interessierten Mut machen. Meine kreativen Produkte, die ich hier auch immer mal wieder erwähne, findet Ihr übrigens unter bluemchenfeedesign.etsy.com

5 Kommentare zu „Eine schwierige Entscheidung oder vielleicht doch leichter, als gedacht?

  1. „Und dann flüstert das Glück ganz leise: Du bist dran“ 💕
    Von Herzen alles Glück der Welt – ich fiebere mit Dir, Deinem größtem Wunsch entgegen …! Glg

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  2. Ich schlage mich durchs Leben und das Leben schlägt zurück. Manchmal schlägt es daneben, denn manchmal habe ich Glück.
    Von Herzen wünsche ich dir dass es daneben haut und dass du mit der OP deinem Ziel näher kommst und es dann bal erreichst. Du schaffst das!

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  3. Meine liebe Anne, du weißt dass ich dich seit Jahren für deine Kraft, deinen Mut und deinen Glauben an den Fluss des Lebens bewundere. In Gedanken bei dir, fühl dich fest umarmt, Babs

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